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Georgi-Bläser-Jahreskonzert am 27.03.2010

Thomas Dill, Bad Brückenau

Best Of - Das Beste

Sein Konzertprogramm mit „Best of“ – „Das Beste“ zu titulieren, das zeugt schon von gewaltigem Selbstvertrauen. Aber wenn Kennern der konzertanten Blasmusikszene ein Blick auf das Programm genügt, um diesem Titel zuzustimmen, dann scheint nicht hochgestapelt zu werden. Denn kann die Bandbreite eines modernen Blasorchesters noch größer sein? Big Band Sound, Filmmusiken, populäre Hitparadenstücke, teils mit Gesang und als Sahnehäubchen klassische Themen mit Streicherunterstützung, in der Tat ein Best of der Blasmusik.

Foto: Thomas Dill

 

Den Auftakt des Abends machte zunächst die eigene Bläserklasse, die Fortissimo Kids, die seit etwas über einem Jahr unter der Leitung des Dirigenten Andreas Kleinhenz die Blasmusik von der Pike auf lernen. Nach dem schmissigen Auftakt mit „Startklar“ führten sie vor, wie sie mit „Hänschen Klein“ begonnen haben, bewusst baute jeder der Nachwuchsmusiker einen Fehler dabei ein. Wie moderne Orchesterschulung funktioniert, demonstrierten die 18 Jugendlichen bei „Sakura, Sakura“. Hier spielten sie die Melodie rückwärts oder rutschten bewusst in eine andere Stimme. Ihr wahres Können dann bei „Rocking“, „My first blues“ und der Zugabe „Lonely stranger“.

 

Das Hauptprogramm startete schmissig mit „Musik ist Trumpf“. Man spürte als Zuhörer, wie Takt für Takt die Anspannung von Musikern und Dirigent abfiel. Monatelange Proben, in der Endphase mehrmals die Woche, ließen die Sehnsucht nach einem Ende der Probenphase immer größer werden.
Dieses Engagement würdigte in einem kurzen Grußwort auch Hausherr Stadtpfarrer Bauer. Der Filmkomponist Martin Böttcher, bekannt durch die Winetou und Wallce-filme der 60’er Jahre stand als zweites Stück auf dem Programm. Sein Nummer-Eins-Hit „A summer place“ holte an diesem kühlen Märzabend den Sommer hörbar ins Bad Brückenauer Pfarrheim.

Foto: Thomas Dill

Bereits 2003 einmal gehört, demnach wirklich ein „Best of„ Stück der Kapelle das Bigband Stück „Trumpet Blues and cantabile“ von Harry James. Unter dem Dirigat von Bernd Miller trieben sich der Klangkörper und die drei Trompetensolisten Manuela Möller, Lukas Breitenbach und Andreas Kleinhenz gegenseitig zu musikalischen Höchstleistungen an. Kontrastprogramm ohne Fernbedienung dann das Medley „TV-Kult“. Waren das noch Zeiten, als es nur drei Programme gab, keine Fernbedienung, keine Werbepausen und kein 24 stundenprogramm. Mit den Titelmelodien von Schwarzwaldklinik über Sportstudio bis zur Erkennungsmeoldie von Tatort war fast alles zu hören, was in den 70’er Jahren im deutschen Fernsehen erfolgreich zu sehen war.
Fast schon Kult die Soli der Schlagwerker. Zunächst glänzte der Musikstudent Bernd Miller mit einem einfühlsamen Stück am Vibraphon. „Amsterdam Avenue“, so der Titel, ließ die Zuhörer ein Instrument kennen lernen, dass man nicht oft als konzertantes Soloinstrument hört, um so andächtiger lauschten Alle den Klängen, die der virtuos aufspielende Solist zum Besten gab. Gemeinsam mit seinen drei Kollegen demonstrierten sie dann nach der Pause, dass Rhythmus nicht abhängig von einem Instrument ist. Diesmal musste die Saalbestuhlung herhalten, um bei der Show der Schlagzeuger deren Können zu demonstrieren.
Doch vor der Pause hieß es zunächst noch absolutes Neuland zu betreten.

Foto: Thomas Dill


Die Georgibläser hatten im Oktober zum Geburtstag des bayerischen Kammerorchesters im Kurpark des Staatbades ein Platzkonzert gegeben. Matthias Rietschel, Cellist und Vorsitzender des Orchesters, ließ es sich daher nicht nehmen einen Gegenbesuch abzustatten. Auch wenn ihm die Finger bei den gemeinsamen Proben schmerzten, ein Cello gegen ein ganzes Blasorchester, wagte er es, sich gegen die klangliche Übermacht zu behaupten. Und Dirigent Andreas Kleinhenz hatte bei der Auswahl der beiden folgenden Musikstücke die Messlatte für sich und sein Orchester extrem hoch gehängt. „Theme from Schindlers List“ ein Klassiker aus dem gleichnamigen Kinobestseller von Steven Spielberg und die heimliche Nationalhymne der Finnen, die sinfonische Dichtung „Finlandia“ von Jean Sibelius standen auf dem Programm. Und perfekt ersetzten Blech- und Holzblasinstrumente die Streicher eines sinfonischen Orchesters. Schloß man als Zuhörer die Augen, sah man förmlich die Mitternachtssonne und den Elch der durch das Dickicht bricht. Tosender Applaus entließen die sichtlich geschlauchten Akteure in die wohlverdiente Pause.
Mit Musik aus den 80’er Jahren und um einiges popiger ging es in den zweiten Teil des Abends: „In the stone“ von Earth, Wind and Fire und „All night long“ von Lionel Richie machten Appetit auf diese musikalische Epoche, die mit dem „Eighties Flashback“ blitzartig Musikstücke ins Gedächtnis zurückrief, die heute noch Ohrwürmer sind. Nicht nur „Thriller“ von Michael Jackson und die boxerische Kennmelodie „Eye of the Tiger“ konnte der aufmerksame Zuhörer heraushören.

Foto: Thomas Dill

„Die Soulstimme der Realschule“ so kündigte dann ein sichtlich stolzer Realschulmusiklehrer den Gast der nächsten zwei Musikstücke an. Sina Schuhmann aus Breitenbach, in der Abschlussklasse der hiesigen Realschule, zeigte mit „Get here“, unterstützt von Frank Bengert am Keyboard, Andreas Kleinhenz an der E-Gitarre und Tobias Breitenbach am Schlagzeug, dass sie das Zeug zu mehr hat, als nur die Soulstimme ihrer Schule zu sein. Bei „Goldfinger“, der Titelmelodie eines James Bond Klassikers, einem sängerisch noch anspruchsvollerem Stück, stieg dann wieder das ganze Orchester mit ein. „Space and beyound“ entführte die Zuhörer dann in die Weiten des Weltalls. Ein Medley von Titelmelodien zahlreicher Weltraum-Kinoklassiker wie „Krieg der Sterne“ wurde untermalt durch eine Bilderpräsentation ganz heimatverbundener Art. Der Schönderlinger Fotograf Jürgen Hüfner, Vater des jüngsten Ensemblemitglieds, hatte eine Reihe seiner impresionistisch wirkenden Rhöner Winteraufnahmen passend zur Musik arrangiert. Nichts passte darauf besser, als John Miles konzertantes „Music“ als Finale darzubieten. Bombastrock mit sinfonischen Klängen, die Georgi Bläser nochmals unterstützt vom Cello Matthias Rietschels, brachten dieses Werk mindestens so gewaltig und „bombastisch“ auf die Bühne, wie es der Komponist vorgesehen hatte. Als eine der mehrfachen Zugaben dann ganz treffend und völlig gelöst und swingend dargeboten ABBA’s „Thank you for the music“. Das Orchester spielte, was die meisten Zuschauer dachten und hinterher auch aussprachen: Ein absolut gelungener und in seiner musikalischen Bandbreite nicht zu übertreffender Konzertabend der Georgi Bläser hatte seinen Abschluss gefunden.
Man darf gespannt sein, wie das neue Programm aussehen wird, das im Sommer neu zusammen gestellt wird, denn dieses Konzert nochmals zu toppen, dazu gehören dann absolute Kracher der Orchestermusik, die erst noch gesucht werden müssen. Die Stadt und die Pfarrgemeinde können stolz sein auf diesen Klangkörper, der professionelles Musizieren, pädagogische Musikerziehung und Schulung und gesellige Jugendarbeit geschickt verknüpft und so zu immer neuen klanglichen Höchstleistungen auflaufen kann.