Jahreskonzert 16.03.13

Georgis bleiben Georgis

Thomas Dill, Bad Brückenau

Die Anspannung war zu fühlen, sie lag deutlich in der Luft: Die Anspannung des ersten Jahreskonzertes unter dem neuen, jungen Dirigenten Markus Greifensteiner.

 

 

 

 

 

 

Foto: Thomas Dill

 

 

Stefan Wießner und Markus Hehn, Vereinsvorsitzende überreichen ihrem neuen Dirigenten das Signum seines Amtes, einen neuen Dirigentenstab

Und offenbar wollte das Orchester diesen Druck noch zusätzlich erhöhen, denn mit „Fanfare and Flourishes“ von James Curnow, laut Komponist einem Stück für festliche Gelegenheiten, wurde gleich ein sehr anspruchsvolles Stück vorgetragen. Ein Zeichen, dass Orchester und Dirigent zusammengefunden haben, die Überreichung eines Dirigentenstabs von Vorsitzendem Markus Hehn an Markus Greifensteiner, der das erste Stück noch „nackig dirigierte“.

„Da merkt man sofort, dass da ein gelernter Schlagzeuger dirigiert“, so eine begeisterte Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks nach dem Konzert. Joachim Scholz, selbst Dirigent eines namhaften Orchesters schlug in dieselbe Kerbe: „an seiner linken Hand konnte man den Schlagzeuger im Dirigenten deutlich sehen“. Dementsprechend flott dirigierte er seine Musiker durch das zweite Stück des Abends, einen Radiohit der 80’er Jahre, „Gardenparty“ der isländischen Gruppe Mezzoforte. Hier hörte man im Verlauf des Stückes deutlich, dass Orchester und Dirigent zu einander fanden und gemeinsam spielten. Und so steigerte sich Ensemble und Dirigent hörbar, fühlbar und sichtbar von Stück zu Stück. Nahezu jede der Darbietungen bot auch reichlich Platz für virtuos aufgespielte Solis der verschiedenen Instrumente. Trotz Krankheit geschwächt und dezimiert zeigte der Posaunensatz bei „Playing Trombones“ , dass er zu den tragenden Säulen des Orchesters gehört.

Der Posaunensatz bei seinem Solo

Ganz neu im Programm und von Markus Greifensteiner einstudiert, das Stück „Feeling Good“ des kanadischen Jazzsängers Michael Buble‘. Hier entwickelten die Georgis die ganze Bandbreite ihres Big-Band-Sounds. Man konnte deutlich die Unterschiede hören zwischen den ganz neu einstudierten Stücken und den schon früher Gespielten. Besonders die alten Hasen unter den Musikern mussten schwer an sich arbeiten, um dem neuen Dirigentenstil zu folgen. Entsprechend fachkundig die Aussage von Joachim Scholz: „Georgis bleiben Georgis, was soll sich groß ändern bei der Qualität der Musiker“. Ein Kompliment aus berufenem Munde, dem sich nach dem Konzert noch zahlreiche weitere Komplimente und Gratulationen der Zuhörer anschlossen. Besonders Pfarrer Michael Krammer war vom Konzert der Hauskapelle der Pfarrei sehr angetan, insbesondere da seine Heimatkapelle in Kothen momentan etwas schwächelt: „Ich überlege, ob ich nicht die Georgis mit rüber nehme, denn eine Fronleichnamsprozession ohne Musik ist fürchterlich“.

Ein Bläserensemble signalisierte mit „Heidi“ das Ende der kurzen Pausen

Ganz sanfte, ungewohnte Klänge gab es beim ebenfalls neu einstudierten „Ballade pour Adeline“, dem Klavierschmuselied, bekannt durch Richard Clayderman Ende der 70’er Jahre. Hier gab die Altsaxophonistin Isabel Dill ihre gelungene Premiere als Pianistin des Orchesters. Harmonisch ordnete sich das Orchester den sanften Klängen des Pianos unter.

Auch bei einem Medley von Musicalstücken Andrew Lloyd Webbers machten das Orchester und sein Dirigent deutlich hörbar, wie weit ihr Findungsprozess schon abgeschlossen ist. Zahlreiche Solis etwa vom zärtlich schnurrenden Kätzchen des Saxophons von Isabel Dill rundeten das Stück ab.

Beim Phantom der Oper fraß sich der Dirigent förmlich in sein Orchester hinein, Pfarrer Krammer in der ersten Reihe sitzend hätte ihn fast am nicht vorhandenen Hosengürtel festhalten wollen.

Hier war Spaß am Spiel pur zu hören. Dies setzte sich als Kontrastprogramm im nächsten Stück fort, dem Liebeslied “Bist du bei mir“ von Johann Sebastian Bach. Gewagt und Gewonnen: den Bogen zu schlagen von Webber zu Bach. Denn jetzt hatte es auch den letzten Zuhörer gepackt, der Funke war übergesprungen und das Feuer im Orchester hatte gezündet.

Sattes Blech von den Holzblasinstrumenten der Saxophone

„Happiness“, die knappe Aussage von Dirigent Markus Greifensteiner unmittelbar nach dem Konzert als sein Resümee des Abends. Ihm sind sichtbar Lasten von den Schultern gefallen, so locker entspannt wirkte er nach dem Konzert. Passend zu diesem gelungenen Musikabend auch die traditionell sketchartige Darbietung der Schlagwerker. „Neulich im Büro“, ohne Worte und doch mit vielen Lauten aus dem Mund, rhythmisch klappernder Schreibmaschine und dem Stakkato von Bleistiften auf der Tischplatte begeisterten die fünf von der Rythmusgruppe des Orchesters.

Bei „Satchmo“ einem Medley von Stücken von Lois Armstrong versetzte Trompeter Roland Leitsch die Zuhörer singend in die swingenden Südstaaten.

Selten gespielt, da sehr anspruchsvoll, aber umso mitreißender die heimliche Nationalhymne der Vereinigten Staaten, der Marsch „Stars and Stripes Forever“ als Schlussstück des Konzerts, dass dann aber erst nach zwei weiteren Zugaben unter tosendem Applaus für Orchester und vor allem für den neuen Dirigenten Markus Greifensteiner endete und zugleich hoffentlich den Anfang bildete für zahlreiche weitere abwechslungsreiche, musikalisch anspruchsvolle Konzerte der Georgi Bläser der Pfarrei Bad Brückenau.

Georgis bleiben Georgis

„Toll, Super reingesteigert, Georgibläser heißt Extraklasse“ so und ähnlich lauteten die begeisterten Kommentare der Zuhörer nach dem Konzert und Markus Greifensteiner musste so viel Hände schütteln, wie schon lange nicht mehr. Wer hätte dies gedacht, nach dem Ausscheiden seines langjährigen, zahlreiche Eckpunkte setzenden und unvergessene Höhepunkte dirigierenden Vorgängers Andreas Kleinhenz. Man darf gespannt sein, wohin sich der musikalische gemeinsame Weg der Georgis mit ihrem Dirigenten entwickeln wird, es wird jedenfalls ein deutlich hörbar musikalisch fortentwickelter Weg werden.